Absichten hinter Chinas Ambitionen


Prestigegründe

Gründe, den Mond erneut „in Besitz“ zu nehmen, mag es verschiedene geben. So sind sowohl Aussicht auf eventuelle Ressourcen zu nennen, als auch die Möglichkeit, sich wichtige Gebiete des Mondes für zukünftige, ständige Raumbasen zu sichern.

Nicht zuletzt dürfte in allen Ländern, auch in China, der Wunsch nach Prestige eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.Chinas Führung ist sich bewusst, dass in Zeiten des wirtschaftlichen Umbruchs eine Ablenkung von den sozialen Problemen auf andere Themengebiete hin eine immense Stütze für den Machtanspruch der Partei sein können. Damit könnte die Erkundung und, als Fernziel eine bemannte Mondmission eine noch größere Motivation für Chinas Verantwortliche sein, als dies aus Prestigegründen auch für die USA der Fall war und ist.

Chinas Erkundung des Mondes scheint also beschlossene Sache. Zwei Jahrzehnte zuvor war dies noch nicht ausgemacht. Der damalige „Führer“ der Volksrepublik, Deng Xiaoping, sprach sich ausdrücklich gegen ein Mondprogramm Chinas aus und forderte von der CNSA stattdessen Anstrengungen in Richtung nutzbringender Satelliten.
Zwar kann davon ausgegangen werden, dass die Monderkundungspläne tatsächlich, wie oben erwähnt, teilweise Fortschritte auch für benachbarte zivile Sektoren abwerfen würden.
Doch darf man wohl vermuten, dass diese Ergebnisse bei Bedarf auch ohne den Rahmen mehrerer Mondexpeditionen, und damit weit billiger, erreicht werden könnten.

Prestigeträchtige Projekte wie die staatliche, nichtkommerzielle Raumfahrt, also gerade Flüge zum Mond, die nicht unbedingt wirtschaftlich sinnvoll sind, erscheinen der politischen Führung Chinas von dieser Seite aus betrachtet als ein probates Mittel unter anderen, um die wachsenden innergesellschaftlichen Spannungen auf andere Bereiche umzuleiten.

Kommerzielle und wissenschaftliche Ziele

Neben dem Streben nach innen- und außenpolitisch verwertbarem Prestige setzt China mit seinem Raumfahrtprogramm natürlich auch auf kommerziell verwertbare Ergebnisse. Die Langer-Marsch-Raketen haben sich in den vergangenen zehn Jahren als insgesamt sehr zuverlässig erwiesen, mit einer ganzen Serie von geglückten Starts

Als Anbieter von Satelliten-Transportflügen gehört China schon jetzt zu den erfolgreichsten Nationen. Diese Position wird das Land in den kommenden Jahren sicherlich halten oder weiter ausbauen, trotz starker Konkurrenz. Insgesamt startete die VR China bereits 28 Satelliten aufgrund wirtschaftlicher Vereinbarungen für andere Staaten und arbeitet mit Firmen aus mehr als 30 Staaten zusammen.
Auf wissenschaftlichem Gebiet strebt China mit verschiedenen Nationen Kooperationen an. Da die Monderkundung relativ eindeutig zivile Züge trägt, ist diese Aussicht mit anderen Nationen und Raumfahrtagenturen zusammenzuarbeiten auf diesem Gebiet nicht unrealistisch.Auf diesem Weg soll Zusammenarbeit auch auf anderen Gebieten der Raumfahrt erreicht und verstetigt werden.

So arbeitet China mit der russischen Raumfahrtagentur bereits bei mehreren Projekten zusammen, unter anderem bei gemeinsamer Observation des Weltraums und bei terrestrischer Infrastruktur. Zusammen mit der ESA führt die CNSA seit mehreren Jahren das Double-Star-Projekt durch, bei dem zusätzlich zu bereits existierenden vier europäischen Satelliten zwei chinesische Satelliten gestartet wurden, um gemeinsam Veränderungen des Erdmagnetfelds zu beobachten. Das Projekt wird von China aus gesteuert. Ein weiteres Großprojekt, bei dem China mit der ESA kooperieren möchte, ist das europäische Galileo-System. Es soll im Jahr 2008 den Betrieb aufnehmen.

Bereits Ende 2003 wurde eine Zusammenarbeit vereinbart, bei der China entsprechend einer Projekt-Vollmitgliedschaft 200 Millionen Euro von den veranschlagten 3 Milliarden Euro übernehmen soll. Ein Jahr später, im Oktober 2004, waren die Details geregelt, welche die bisher „umfassendste Zusammenarbeit“ Chinas mit dem Ausland auf technologischem Gebiet regeln. Das Projekt hat gegenüber der Zusammenarbeit beim Double-Star-Programm eine neue Qualität, sowohl in der Größe als auch vor allem was die Nutzbarkeit des Systems anbelangt.

Zwar ist es sicherlich völlig unrealistisch, dass Peking sich Hoffnungen auf militärische Frequenzen im Rahmen des Galileo-Projekts macht, die Anwendungsgebiete sind ziviler Natur; aber weit gefächert. Eben deshalb ist die Kooperation überhaupt möglich (man stelle sich die Reaktion der USA vor, sollte eine militärische Komponente in die Kooperation eingebaut werden) und richtet sich dennoch explizit auch gegen die Vereinigten Staaten. Das Galileo-Projekt soll die Unabhängigkeit vom GPS-System der Amerikaner garantieren, und führt die EU/ ESA und China gerade wegen der ablehnenden amerikanischen Haltung eng zusammen. Es sieht allerdings so aus, als würde die chinesische Kapazität für Satellitenstarts nicht genutzt, stattdessen schloss die Esa eine Vereinbarung mit dem Betreiber der russischen Sojus-Raketen ab.

Insgesamt jedoch wird die europäisch-chinesische Zusammenarbeit in Europa mit Wohlwollen aufgenommen. Während die Kooperationen mit den USA mittlerweile oft skeptischer betrachtet werden, versprechen die Chinesen auf dem zivilen Sektor der Weltraumfahrt ein interessierter, engagierter Partner zu werden. Auch Zusammenarbeit bei ausgewählten wissenschaftlichen Projekten der Monderkundung und ähnlichem könnten die weitere logische Folge sein.

China versuchte des weiteren, sich an der Internationalen Raumstation ISS zu beteiligen, bzw. dort an wissenschaftlichen Projekten mitwirken zu dürfen. Mit der Esa und der russischen Raumfahrtadministration wurden deshalb Gespräche geführt. Die Position der USA verhinderte aber eine wie immer geartete Beteiligung der Chinesen an der Raumstation. Mittlerweile, so scheint es, als hätten die Chinesen ihre Versuche auf Mitwirkung in der ISS aufgegeben. Stattdessen planen sie für 2007 den Start eines eigenen Weltraumlabors, für das die zwei Taikonauten im Herbst 2005 voraussichtlich Andockmanöver üben werden.

Allerdings kann die Nicht-Kooperation im Fall der ISS nicht als exemplarisch angesehen werden, da China dem Projekt mit jahrelanger Verspätung beitreten wollte. Im Fall von neu auszuhandelnden technischen Projekten zwischen den Europäern und den Chinesen dagegen scheinen die Zeichen für Zusammenarbeit gut zu stehen.

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Über politbueroblog

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