Weltraumpolitik: Chinas Verhältnis zu den USA


Ariane 5

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Fragen der Rüstungskontrolle

Während die ESA also in der aufstrebenden Welt(raum)macht China einen zukünftigen Partner erblickt, versuchten die USA im vergangenen Jahrzehnt vielmehr, einen Dialog mit der VR China in Angelegenheiten der Raumfahrt zu verhindern.

Ein wichtiger Streitpunkt zwischen den beiden Nationen war und ist das internationale Regime zur Nichtverbreitung von Raketen und Raketentechnologie. Gegründet wurde dieses Regime von den G-7-Staaten im Jahr 1987 und besitzt mittlerweile
27 Mitglieder. Darüber hinaus haben sich weitere Staaten verpflichtet, die Grundsätze des MTCR einzuhalten, so mehrere osteuropäische Staaten und China. Allgemein wird das Abkommen dafür kritisiert, dass es durch seine restriktiven Regelsetzungen ambitionierte Staaten auch an ziviler Raumfahrt hindert, da oftmals keine exakte Unterscheidung zwischen zivilen und militärischen Nutzungen gemacht wird (oder möglich ist). China hält sich informell an das MTCR-Abkommen, ist jedoch nicht bereit, vollständig beizutreten, da es seine eigenen Interessen nicht enthalten sieht. So vermisst das Land auch Regelungen zur Exportkontrolle anderer moderner Militärgüter, wie die USA sie regelmäßig an Taiwan verkaufen.
Die Fragen ziviler Raumfahrt und militärisch höchst heikler Sicherheitsaspekte sind also zum Teil eng miteinander verknüpft.
So kann das MTCR-Regime zum Beispiel dafür genutzt werden, bisher noch nicht endgültig etablierte Raumfahrtnationen zu behindern oder außen vor zu halten. Der Versuch, Proliferation von Raketentechnik zu verhindern, greift unter Umständen gleichzeitig auf das Gebiet zivil genutzter Weltalltechnik über. Dass in China das gesamte Raumfahrtprogramm hauptsächlich dem Militär untersteht, macht die Unterscheidung verschiedener Sachverhalte nicht einfacher.

Beim derzeit in Washington oberste Priorität genießenden „War on terror“ dürfte der Aspekt der Nonproliferation jedenfalls eine ernstgemeinte Rolle spielen. Außerdem ist fraglich, ob eine Behinderung Chinas bei der Entwicklung neuer Raketen, ob für zivile oder militärische Zwecke, Sinn machen würde. Das Land ist bereits seit langem (1980) fähig, Raketen mit interkontinentaler Reichweite zu starten
Auch im zivilen Raumfahrtsektor besitzt China wie oben angesprochen längst eine starke Position mit seinen zuverlässigen Langer-Marsch-Raketen. Es erscheint somit naheliegender, dass die USA in Fragen des MTCR-Regimes mit der VR China eine ernsthafte Kooperation anstreben, um Drittländern Zugang zu sensibler Technologie zu verwehren, als dass sie die Absicht hätten, das chinesische Raumfahrtprogramm über diesen Umweg zu behindern.

Zivile Kooperation im Kommen?

Nach der noch ablehnenden amerikanischen Haltung in der Frage einer chinesischen Beteiligung und Mitarbeit an der internationalen Raumstation ISS scheint auch auf dem zivilen Sektor Bewegung in die Zusammenarbeit der beiden Staaten zu kommen.

So fand im Dezember 2004 erstmals ein Treffen zwischen den Leitern der Raumfahrtorganisationen der beiden Länder statt.
Konkrete Zusammenarbeit wurde bei diesem Treffen nicht vereinbart, aber eine neue Qualität in den amerikanisch-chinesischen Raumfahrtbeziehungen bedeutet das Ereignis dennoch. Man kann davon ausgehen, dass in beiden Ländern Strukturen vorherrschen, die darauf deuten, dass solch ein Treffen nicht allein auf gegenseitiger wissenschaftlicher Neugier basiert, sondern von oben gewollt war.Ihr bisher verkündetes Programm der Monderkundung und schließlich auch Mondlandung wollen die Chinesen jedoch wohl nach wie vor aus eigener Kraft vollbringen.

Insgesamt hat es den Anschein, als wäre die bisherige Eiszeit zwischen den beiden Nationen in Fragen der zivilen Raumfahrt anfänglich überwunden worden. China scheint eine Zusammenarbeit als guten Weg zu sehen, anderen Nationen die Vorstellung eines Vormachtanspruchs des Landes zu nehmen. Gleichzeitig kann durch eine langangelegte Kooperation natürlich auch der Austausch von Hochtechnologie erleichtert werden, den China für seine ambitionierten Mondlandepläne trotz aller Fortschritte noch nötig haben könnte.

Militärische Konfrontation der beiden Mächte

Bei allen positiven Entwicklungen in der amerikanisch-chinesischen Zusammenarbeit ist in der Zukunft aber nicht nur von verstärkten Kooperationsbemühungen auszugehen. In Washington gibt es seit Jahren einflussreiche Kreise, vor allem im Pentagon und im gesamten sogenannten militärisch-industriellen Komplex, die China als wachsende Bedrohung im Weltall ansehen. Durch die teilweise bereits umgesetzte Vernetzung ihrer verschiedenen Teilstreitkräfte sind die USA heute mehr denn je abhängig von den Fähigkeiten und der Einsatzbereitschaft ihrer Satelliten. Diese Abhängigkeit wird im Rahmen der amerikanischen Doktrin des Network Centric Warfare weiter stark zunehmen. Dauerhaft einsatzbereite Weltraumtechnologie, insbesondere eben die militärischen Satelliten zur Beobachtung und Kommunikation zwischen den Streitkräften, sind also das Rückgrat in zukünftigen militärischen Auseinandersetzungen. Insbesondere gilt das für die USA, die bei der Vernetzung ihrer Armee weit fortgeschritten sind. Aus diesem Grund sehen sich die Vereinigten Staaten im Weltall als besonders gefährdet an.

Die antizipierte Bedrohungslage geht laut den militärischen Think Tanks nicht vom ehemaligen Gegner Russland aus, der sicherlich im Weltall nach den USA noch immer die größten Kapazitäten und Möglichkeiten besitzt, auch nicht von technologisch weit zurückliegenden „Schurkenstaaten“. Vor allem China, mit seinen bereits jetzt enormen wirtschaftlichen Fähigkeiten wird als zukünftiger Gegner im Weltraum angesehen.

Vor allem das Szenario eines Konfliktes um Taiwan, in dem die USA die Insel gegen die VR China in Schutz nehmen würden, taucht in den Überlegungen immer wieder auf. Da Festlandchina den Amerikanern militärisch nach wie vor weit unterlegen ist, existieren Annahmen, die Chinesen könnten Angriffe gegen Satelliten und andere erd- und weltallgestützte Kommunikationslinien unternehmen. Aus diesem Grund herrscht seit Jahren in den USA die Meinung vor, vitale Funktionen im Weltall müssten geschützt werden. So wird das Pentagon bis zum Ende dieses Jahrzehnts über 50 Milliarden US-Dollar ausgeben, um im Weltall aufzurüsten.

Nun ist es richtig, dass auch China daran geht, seine bislang eher auf Quantität ausgerichteten Streitkräfte zu modernisieren. Gleichwohl beträgt der chinesische Militärhaushalt nach offiziellen Zahlen 2004 nur 20 Milliarden Dollar – auch wenn viele Beobachter davon ausgehen, dass diese Summe in Wirklichkeit nur einen kleineren Teil der Gesamtausgaben ausweisen dürfte. Experten nehmen an, dass die tatsächlichen Ausgaben etwa drei- bis fünfmal so hoch liegen dürften.Dennoch beträgt der US-Verteidigungshaushalt demgegenüber im Jahr 2004 über 500 Milliarden Dollar. Die Vereinigten Staaten streben mit ihrer Aufrüstung des Weltalls also weniger zukünftige Überlegenheit als vielmehr Unverwundbarkeit an. Experten sehen die Aufrüstung denn auch weniger unter dem Aspekt der Verteidigung, stattdessen als Fähigkeit zum Präventivschlag im Weltall an.

Chinesische Abrüstungsbemühungen

China andererseits tritt seit Jahren für ein Verbot der Militarisierung des Weltalls ein. Zusammen mit Russland reichte das Land im Jahr 2004 einen Antrag zur „Verhinderung der Stationierung von Waffen im Weltraum und die Anwendung oder Androhung von Gewalt gegen Weltraumobjekte“ auf der Abrüstungskonferenz in Genf ein.

Der bisherige Weltraumvertrag verbietet neben vielen anderen militärischen Nutzungen ausdrücklich auch die Androhung oder Anwendung von Gewalt gegen künstliche Weltraumobjekte. Offensichtlich waren Russland und China der Meinung, dieses bestehende Verbot durch ihren Antrag noch erweitern bzw. bekräftigen zu müssen.Dabei vertraten sie in ihrem neuen Entwurf jedoch nicht mehr die ursprüngliche Position, nach der zum Beispiel auch eine weltraumbasierte Raketenabwehr unmöglich gemacht worden wäre. Im Vordergrund stand stattdessen ein Stationierungsverbot für Weltraumwaffen, das Tests derselben möglich gemacht hätte. Die USA lehnten den Vertragsentwurf jedoch ab.

Weitere (militärische) Entwicklungen

Flag of the People's Republic of China

 

United States of America

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Für die Zukunft steht nicht zu erwarten, dass die Vereinigten Staaten auch unter einem anderen Präsidenten fundamental von ihren Plänen im Weltall abrücken.   Die Bestrebungen, die gesamten Streitkräfte noch enger mithilfe weltraumgestützter Systeme zu vernetzen, scheint unumkehrbar und bei den technologischen Fähigkeiten der USA auch logisch. Gestoppt werden könnte vielleicht allenfalls ein Aufrüsten im Weltall, das faktisch für Erstschlagsmissionen benutzt werden kann, doch ist dies Spekulation.

Die Chinesen zeigen bislang offiziell keine Bestrebungen, ihre Zurückhaltung in Sachen Militarisierung des Weltraums aufzugeben. Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums erklärte, dass sich China nicht an einer Aufrüstung im All beteiligen werde.
Allerdings kann man natürlich auch davon ausgehen, dass derartige Pläne nicht freiwillig der Öffentlichkeit bekannt gegeben würden, wenn schon bei der zivilen chinesischen Raumfahrt kaum Informationen über konkrete Vorgänge nach außen dringen.

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2 Antworten zu Weltraumpolitik: Chinas Verhältnis zu den USA

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