Entwicklung der transnationalen Unternehmen

Die Anzahl der weltweit existierenden Unternehmen, welche die oben angesprochenen Merkmale aufweisen, hat seit den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts enorm zugenommen. So existierten bis vor 40 Jahren erst 8.000 TNCs , UNCTAD-Zahlen aus dem Jahr 2003 geben die Anzahl bereits mit 65.000 an. Diesen sind wiederum 850.000 ausländische Konzerntöchter angegliedert. Ebenso nahm der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen massiv zu. Ebenfalls seit Mitte der 60er Jahre bis 1982 stiegen die Direktinvestitionen von 102 Mrd. US$ auf 567 Mrd. US$, um im Folgenden bis zum Jahr 1999 bis auf einen Wert von 4.759 Mrd. US$ zu klettern. UNCTAD-Zahlen zufolge machten sie im Jahr 2002 weltweit eine Summe von sieben Billionen US$ aus. Es lässt sich also unschwer feststellen, dass die Zahl der Tochterunternehmen innerhalb von 40 Jahren um den Faktor 23 angestiegen ist, die Höhe der Direktinvestitionen jedoch um den Faktor 47. Die einzelnen Tochterunternehmen nahmen also insgesamt gesehen auch nach Größe stark zu.

Dabei traten innerhalb der angesprochenen Phase immer wieder Schwankungen auf. Erst seit Anfang der achtziger Jahre zogen die Investitionen deutlich an, um in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre jährlich mit durchschnittlich 24% zu wachsen. Anfang der 90er Jahre sanken die jährlichen Zuwächse auf 20%, um ab Mitte der 90er Jahre mit jährlich durchschnittlich 32% zu wachsen.
Wirklich aussagekräftig werden diese Zahlen, stellt man sie den Wachstumsraten der weltweiten Wirtschaftsleistung gegenüber. Im Zeitraum von 1982 bis 1999 stieg das weltweite Bruttosozialprodukt um das 2,8fache an. Im selben Zeitraum wuchs der weltweite Handel um das 3,4fache. Die ausländischen Direktinvestitionen dagegen stiegen innerhalb dieser Jahre um das 8,4fache an. Ebenso lässt sich die Bedeutung der TNCs innerhalb der Weltproduktion daran ablesen, dass ihre Tochterfirmen im Jahr 1999 bereits mehr als 10% zur weltweiten Güterproduktion beitrugen, beinahe eine Verdopplung seit 1982. Der Wert der Verkäufe dieser Tochterunternehmen belief sich im Jahr 2001 auf 18 Billionen US$, gut zweieinhalb mal soviel wie die weltweiten Güter- und Dienstleistungsexporte im selben Jahr ausmachten. (UNCTAD)
Eine wichtige Anmerkung zur Bedeutung der TNCs und ihrer Tochterfirmen ist noch die im Lauf der Jahre teilweise geänderte Produktionsweise. Waren in den 60er Jahren noch Formen der sogenannten multi-domestic strategy vorherrschend, so fand seither ein Wandel hin zu einer integrierten internationalen Produktion statt. Ursprünglich war also die Aufgabe der Tochterunternehmen, im Gastland eine umfassende Produktionskette mit Blick auf den dortigen Binnenmarkt aufzubauen. In diesen Fällen war meist die Intention vorherrschend, die bestehenden Handels- und Importbeschränkungen zu umgehen.

Im Lauf der letzten Jahrzehnte fand hier eine wichtige Wandlung statt. Neu aufgekommene Kommunikationsformen und sinkende Kommunikationskosten vereinfachen eine Steuerung ausländischer Firmen auch ohne komplexe Verwaltung vor Ort enorm. Sinkende Transportkosten tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei, dass sich Produktion für den Export und nicht für den vor der Tür liegenden Binnenmarkt mehr und mehr ökonomisch lohnen kann. So ist heute eine Strategie der TNCs nach dem Schema der integrierten internationalen Produktion zu erkennen. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass die Produktionskette in einzelne Teile oder Produkte aufgespalten wird, die von jeweils einzelnen Ablegern eines TNC übernommen wird. So können Vorteile zum Beispiel bei Lohnkosten auf Güter des Konzerns übertragen werden, die dann nicht nur auf dem jeweiligen Regionalmarkt, sondern weltweit verkauft werden. Dieser Wandel in den Unternehmensstrategien könnte unter anderem vom Abbau vieler Handelsschranken herrühren, aber auch von einer veränderten Sicht der Schwellenländer. In diesen fand seit Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre ein Umdenken statt, das nun verstärkt die Abhängigkeit von Komplettprodukten ausländischer Tochterunternehmen als ungünstig empfand. Stattdessen wurden von den TNCs gewisse Exportquoten verlangt, damit auch für den Binnenmarkt produziert werden durfte.

Die im Ausland von den TNCs produzierten Güter und Dienstleistungen steigen also seit Jahrzehnten stark an, durchschnittlich etwa zwischen 20%und 30% jährlich. Herkenrath schränkt diese Ergebnisse ein hinsichtlich ihres weiterhin geringen Anteils an der Weltwirtschaft von insgesamt etwa zehn Prozent und des überwiegenden Anteils der Inlandsproduktion der TNCs.
Man muss jedoch berücksichtigen, dass diese FDIs eines der wenigen Mittel sind, in Ländern auf technologisch hohem Niveau zu produzieren, in denen historisch keine eigene Industrie gewachsen ist, oder deren Industrien den Anschluss an heutige Standards verloren haben. Aus diesem Blickwinkel könnten FDIs ein wirksames Mittel sein, um nachgeholte Entwicklung in Schwellenländern zu betreiben. Die Wirkungen sollen nun anhand von verschiedenen Theorieansätzen näher betrachtet werden.

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