Transnationale Unternehmen

Um damit in der vorliegenden Untersuchung arbeiten zu können, muss zunächst einmal der Begriff der transnationalen (gelegentlich auch multinationalen) Unternehmung näher definiert werden. Ausführlich und soziologisch verwendbar definieren die Autoren Bornschier und Chase-Dunn die Institution der transnational companies:

1. They are business firms producing commodities or services for profit.
2. They are organizational entities with a single division of labor under the effective control of a centralized hierarchy.
3. Organizational subunits are located and operating in different countries.
4. These corporations are among the leading firms in the countries where they are active.

Die Definition unter Punkt vier dürfte auch weiterhin in der überwiegenden Zahl der Fälle zutreffen, andererseits produzieren auch mehr und mehr kleinere, oft hoch spezialisierte Unternehmen transnational, somit ist dieses Merkmal nicht mehr allein den umsatzstärksten Unternehmen vorbehalten. Verknüpft damit ist jedoch der Umstand dass auch kleine Firmen oftmals unter Internationalisierungsdruck geraten im Zuge der Auslagerungen ihrer wichtigsten Abnehmer. Deshalb kann der Punkt auch weiterhin aufrechterhalten werden.

Unterschiede in der Definition der UNCTAD beziehen sich hingegen eher auf Mehrheits- oder Minderheitsbeteiligungen ausländischer Investoren. Die ausländischen Tochterfirmen, die in die globale Produktionskette eingegliedert sind, werden als „foreign affiliates“ bezeichnet. Eine zweite Begriffsunterscheidung trennt dann zwischen subsidiaries (ausländische Minderheitsbeteiligung) und associates (ausländische Mehrheitsbeteiligung). Zusammengefasst lassen sich TNCs also wie folgt definieren: „Multinationale oder transnationale Konzerne sind profitorientierte Organisationen des Wirtschaftslebens, deren Herrschaftsbereich sich über produktive Aktivitäten in mehr als einem Land erstreckt und somit mehrere gesellschaftliche und politische Kontexte durchdringt. TNCs bestehen aus einer Konzernzentrale und mindestens einer Auslandgesellschaft, wobei die Zentrale über mehr als 10% des stimmberechtigten Kapitals der Tochterfirma verfügt und somit nennenswerten Einfluss auf deren Geschäftstätigkeit nehmen kann. Häufig, aber nicht zwingend gehören TNCs zu den weltweit führenden Firmen ihrer Branche.“

Im Zusammenhang mit den oben erwähnten TNCs spielen die ausländischen Direktinvestitionen eine tragende Rolle. Sie dient zur Errichtung besagter Konzerntöchter im Ausland oder zum Erwerb dieser. Außerdem werden die ausländischen Direktinvestitionen in praktisch jeder nationalen Zahlungsbilanz aufgeführt. Eine Definition von foreign direct investments (FDI) kann der einschlägigen Literatur entnommen werden, so zum Beispiel bei Henneberger/Kamm als „grenzüberschreitende Kapitalanlage, die sich mit der Absicht des Investors verbindet, eine dauerhafte und direkte Kontrolle über die erworbenen Aktiva auszuüben.“ Das Kontrollmotiv ist dabei „entscheidendes, wenn auch schwierig handhabbares Abgrenzungsmerkmal“, das die Direktinvestition insbesondere von internationalen Portfolio-Investitionen unterscheidet, zumal diese nur der Finanzanlage und „nicht oder zumindest nicht unmittelbar dem Zweck der unternehmerischen Betätigung“ (ebd.) dienen. Die Summe der Direktinvestitionen ergibt sich dabei nicht nur aus dem eingebrachten Kapital, sondern auch aus eigenen, reinvestierten Gewinnen der Tochterfirma und aus Krediten der Konzernzentrale an die Tochterfirma. (Dies ist die Rechnungsweise der US-Statistikämter.)

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